Illustration Der Lügner

Der Lügner

"Il faut bonne mémoire après qu'on a menti." (Man braucht ein gutes Gedächtnis, nachdem man gelogen hat.)

Biographie von Pierre Corneille (1606-1684)

Chronologische Eckpunkte

Jugend und Ausbildung (1606-1629)

  • 1606: Geburt in Rouen in einer Familie der Amtsbourgeoisie.
  • Studium: Brillante Ausbildung bei den Jesuiten (Latein, Rhetorik). Er widmet sich dem Jurastudium und wird Anwalt, allerdings ohne große Leidenschaft.
  • 1629: Er schreibt seine erste Komödie, Mélite, aus einer Liebesherausforderung heraus. Sie wird in Paris ein unmittelbarer Erfolg und begründet seine Karriere.

Aufstieg und Ruhm (1630-1643)

  • Die Komödien: Er erneuert das Genre mit La Place Royale oder L'Illusion comique (1636), in der Magie und Theater verschmelzen.
  • 1637: Le Cid: Sein tragi-komisches Meisterwerk. Enormer Publikumserfolg, aber heftige Polemik ("Der Streit um den Cid") über die Einhaltung der klassischen Regeln (Wahrscheinlichkeit, Schicklichkeit).
  • Die großen Tragödien: Als Antwort auf die Kritik schreibt er regelkonforme römische Tragödien: Horace (1640), Cinna (1641), Polyeucte (1642).
  • 1643: Le Menteur: Er kehrt glänzend zur Komödie zurück und adaptiert ein spanisches Stück von Alarcón. Er erfindet die französische "Charakterkomödie".

Der weitere Karriereverlauf

  • Die Akademie: 1647 gewählt.
  • Die Fronde: Unruhige Zeit, in der er nach dem Misserfolg von Pertharite einige Jahre lang nicht mehr schreibt.
  • Die Rückkehr: Er kehrt mit Œdipe (1659) zurück und theoretisiert seine Kunst in seinen Drei Abhandlungen über die dramatische Dichtung.
  • Rivalität: Gegen Ende seines Lebens bekommt er Konkurrenz durch den jungen Jean Racine. Er stirbt 1684.

Seine Ästhetik: Der Corneilianismus

Heldentum und Wille

Der corneillianische Held definiert sich durch seinen Willen. Er ist Herr über sich selbst. Im Gegensatz zum racinianischen Helden (ein Opfer seiner Leidenschaften) behauptet der corneillianische Held seine Freiheit durch schwierige Entscheidungen ("Corneilianisches Dilemma").

Die Corneillianische Komödie

In Le Menteur wendet Corneille diese Energie auf das komische Register an. Dorante ist ein "heroischer" Lügner durch seine Erfindungsgabe und seine Sprachbeherrschung. Corneille sucht weniger das derbe Lachen (Farce) als das Lächeln des Geistes (galante und urbane Komödie).

Detaillierte Zusammenfassung: Der Lügner

Akt I: Die Tuilerien (Die erste Lüge)

Frisch aus Poitiers angekommen, wo er gerade sein Jurastudium abgeschlossen hat, entdeckt der junge Dorante das geschäftige Paris. Begleitet von seinem Diener Cliton, hat er nur ein Ziel: sich einen Namen zu machen und Herzen zu erobern. Um bei den Damen zu glänzen, beschließt er, eine prestigeträchtigere Rolle als die eines Studenten anzunehmen: Er gibt sich als Soldat aus, der gerade aus dem Krieg zurückgekehrt ist.
In den Tuilerien, einem modischen Spazierort, begegnet er zwei jungen Frauen, Clarice und Lucrèce. Clarice, obwohl mit Alcippe verlobt, zweifelt an ihren Gefühlen. Dorante spricht sie kühn an, aber von Anfang an entsteht ein Missverständnis: Er verwechselt die Namen und glaubt, mit Lucrèce zu sprechen, während er tatsächlich mit Clarice redet.
Um sie zu beeindrucken, entfaltet er sein Talent als Geschichtenerzähler: Er erfindet sich ein aufregendes Pariser Leben, behauptet, seit einem Jahr dort zu sein, und schreibt sich das Verdienst eines prächtigen Fests zu, das am Vorabend auf dem Wasser gegeben wurde (ein Fest, das in Wirklichkeit von seinem Rivalen Alcippe organisiert wurde). Der Zauber wirkt, und Clarice ist von diesem geheimnisvollen Verführer fasziniert.

Akt II: Die Place Royale (Das Räderwerk)

Alcippe, Clarices wirklicher Liebhaber, ist eifersüchtig, weil er gehört hat, dass das von ihm gegebene Fest einem anderen zugeschrieben wird. Er trifft auf Dorante. Dorante, der nicht weiß, dass Alcippe der Organisator war, behauptet ihm gegenüber hartnäckig, dass er, Dorante, das Fest gegeben hat. Alcippe, wütend und verwirrt über so viel Dreistigkeit, fordert ihn zum Duell heraus.
Parallel dazu kommt Dorantes Vater Géronte nach Paris, um seinen Sohn mit... Clarice (der echten) zu verheiraten. Dorante, der glaubt, "Lucrèce" zu lieben (in Wirklichkeit Clarice), ist begeistert über den Vorschlag seines Vaters, aber wegen des Missverständnisses mit den Namen denkt er, sein Vater wolle ihn mit dem anderen Mädchen verheiraten. Um dieser "arrangierten" Ehe zu entkommen, erfindet er eine neue riesige Lüge: Er ist bereits verheiratet! Er erzählt seinem Vater von einer erzwungenen Geheimheirat in Poitiers mit einer gewissen Orphise.

Akt III: Die Komplikationen

Die Lügen überschneiden sich.
1. Alcippe trennt sich aus Eifersucht von Clarice.
2. Clarice, gereizt, interessiert sich für Dorante.
3. Géronte teilt Clarices Familie mit, dass sein Sohn bereits verheiratet ist (die falsche Ehe). Clarice ist enttäuscht.
Dorante, immer noch überzeugt, "Lucrèce" (das schweigsame Mädchen) zu lieben, erfährt, dass er über die Namen getäuscht wurde. Er versteht, dass diejenige, die er liebt, in Wirklichkeit Clarice ist. Aber er hat gerade seinem Vater gesagt, er sei verheiratet, um nicht Clarice heiraten zu müssen! Er ist in seiner eigenen Falle gefangen.

Akt IV: Der Höhepunkt der Kunst

Géronte entdeckt die Wahrheit: Es hat nie eine Hochzeit in Poitiers gegeben. Wütend darüber, lächerlich gemacht worden zu sein, konfrontiert er seinen Sohn.
Dorante, in die Enge getrieben, lässt sich nicht beirren. Er gesteht, gelogen zu haben... aber aus Liebe! Er behauptet, diese Ehe erfunden zu haben, um Clarice nicht heiraten zu müssen, weil er in... Lucrèce verliebt sei (diesmal die echte, die er aus Opportunismus oder Sinneswandel zu lieben beschließt). Sein Vater, besänftigt durch diese "Aufrichtigkeit", willigt ein, um die Hand von Lucrèce anzuhalten.

Akt V: Die Auflösung (Die Nacht)

Alle treffen sich unter den Balkonen.
Clarice offenbart Dorante, dass sie diejenige ist, die er von Anfang an umworben hat. Sie ist bereit, ihn zu heiraten. Aber Dorante hat sich über seinen Vater gegenüber Lucrèce (der echten) verpflichtet.
Durch eine letzte Pirouette erklärt Dorante, dass es Lucrèce ist, die er von Anfang an geliebt hat (eine neue Lüge, die zur Wahrheit wird?). Clarice versöhnt sich mit Alcippe. Dorante heiratet Lucrèce, zufrieden mit ihrem Vermögen und ihrer Schönheit.
Das Stück schließt mit einer zweideutigen Moral von Cliton: "Par sa feinte [le menteur] acquiert la réelle [épouse]" (Durch seine Täuschung erwirbt der Lügner die wirkliche Braut).

Gesamtanalyse: Der Lügner

Vorstellung des Werkes

Uraufgeführt 1643, ist Le Menteur eine Komödie in 5 Akten und in Versen (Alexandriner). Sie markiert einen Wendepunkt in der Theatergeschichte: Corneille, bereits berühmt für seine Tragödien (Le Cid), beweist, dass er auch im feinen Humor brillieren kann. Er orientiert sich an La Verdad sospechosa des Spaniers Alarcón, passt die Handlung aber den Pariser Sitten an (der Schauplatz sind die Tuilerien und die Place Royale).

Struktur und Handlung

Die Handlung spielt sich in Paris innerhalb von 24 Stunden ab.
* Das anfängliche Missverständnis: Dorante, ein junger Jurastudent, frisch aus Poitiers angekommen, gibt sich als Kriegsmann aus, um zu verführen. Er verwechselt zwei junge Frauen, Clarice und Lucrèce. Er glaubt, die eine umzuwerben, während er mit der anderen spricht.
* Die Eskalation der Lüge: Um seine erste Lüge aufrechtzuerhalten, muss Dorante weitere erfinden (über seinen Reichtum, seine Heldentaten, eine erzwungene Ehe in Poitiers).
* Die Auflösung: Die Wahrheit kommt ans Licht, aber Dorantes Geist rettet die Situation. Er heiratet schließlich Lucrèce (die er liebte, weil er dachte, sie sei Clarice), was beweist, dass Liebe aus einem Missverständnis entstehen kann.

Das dramatische Projekt: Lüge und Theater

1. Der Lügner als Autor

Dorante ist kein bösartiger oder berechnender Lügner (wie Tartuffe). Er ist ein künstlerischer Lügner. Er lügt, um die Realität zu verschönern, um sich eine Figur zu erschaffen. Darin ist er das Double des Dramatikers: Er erfindet Geschichten, erschafft Kulissen und manipuliert die anderen Figuren. Die Lüge ist hier eine Metapher für das Theater (die komische Illusion).

2. Die Satire des mondänen Lebens

Das Stück malt die vergoldete Jugend von Paris unter Ludwig XIII.
* Der Schein: In dieser Welt macht das Gewand den Mönch. Dorante wechselt das Kostüm, um die Identität zu wechseln.
* Die Galanterie: Die Liebessprache ist kodifiziert, preziös, aber oft ohne wirklichen Sinn.
* Das Geld: Ehen sind Interessensangelegenheiten (Dorantes Vater Géronte sucht vor allem eine reiche Schwiegertochter).

3. Der Übergang vom Barock zur Klassik

  • Barocke Aspekte: Instabilität, Verkleidung, Illusion, Bewegung (Ortswechsel in Paris).
  • Klassische Aspekte: Die Regelmäßigkeit der Verse, die Einheit der Handlung (alles dreht sich um Dorantes Lügen), die Schicklichkeit (keine Derbheit).

Schlussfolgerung

Le Menteur ist mehr als eine Farce. Es ist eine "Charakterkomödie", die das Verhältnis zwischen Wahrheit und Fiktion hinterfragt. Wenn Dorante lügt, dann vielleicht, weil die soziale Realität zu farblos ist. Corneille sagt uns, dass das Theater (die zugestandene Lüge) für das Leben notwendig ist.

Hauptthemen: Der Lügner

1. Wahrheit und Lüge

Das ist das Titelthema.
* Die ästhetische Lüge: Für Dorante bedeutet lügen nicht täuschen, es ist "laut träumen". Es ist eine Form der Poesie.
* Die langweilige Wahrheit: Die Realität (Student in Poitiers sein) ist grau. Die Lüge (Krieger in Paris sein) ist farbenfroh.
* Die Instabilität des Wahren: Im Stück ändert sich die Wahrheit ständig. Man glaubt, die eine zu lieben, man liebt die andere. Die Namen werden vertauscht. Corneille zeigt, dass die menschliche Wahrheit beweglich ist.

2. Liebe und Galanterie

Das Stück ist ein Handbuch der barocken Verführung.
* Die Liebessprache: Sie ist kodifiziert. Man muss wissen, wie man "schöne Worte macht". Dorante hat Erfolg, weil er gut spricht, nicht weil er aufrichtig ist.
* Die Unbeständigkeit: Die Figuren sind wankelmütig. Clarice zögert, Alcippe ist eifersüchtig, Dorante wechselt sein Ziel. Liebe ist ein strategisches Spiel.

3. Paris und die Jugend

Die Stadt ist eine Figur.
* Die Modernität: Corneille verankert sein Stück im zeitgenössischen Paris (1643). Er zitiert reale Orte (Tuilerien, Place Royale). Das ist neu für die Zeit.
* Die vergoldete Jugend: Er malt eine müßige, reiche Generation, die Vergnügen und Abenteuer sucht.
* Die Anonymität: Paris erlaubt es, sich neu zu erfinden, im Gegensatz zur Provinz, wo jeder jeden kennt.

4. Theater im Theater

Das Stück ist eine Reflexion über die dramatische Kunst.
* Dorante als Schauspieler: Er spielt permanent eine Rolle.
* Die internen Zuschauer: Cliton, Géronte, die jungen Mädchen sind das Publikum von Dorantes Lügen. Sie applaudieren oder pfeifen seine Vorstellungen aus.
* Die Illusion: Das Stück erinnert uns daran, dass wir im Theater sind, um mit Vergnügen getäuscht zu werden.

Thematischer Schwerpunkt: Lüge und Komödie

Definition des Schwerpunkts

Dieser Schwerpunkt untersucht die wesensmäßige Verbindung zwischen Theater und Lüge. Das Theater ist per se die "komische Illusion": Schauspieler lügen, indem sie sagen, sie seien, was sie nicht sind. Die Komödie inszeniert oft Betrüger (Diener, Verführer), um eine verborgene Wahrheit zu enthüllen.

Verbindung mit "Der Lügner"

Corneilles Stück ist die perfekte Illustration dieses Schwerpunkts, weil es die Lüge nicht als Hindernis, sondern als Motor in den Mittelpunkt stellt.

1. Der Lügner als Dramatiker

Dorante ist ein Double des Autors.
* Die Erfindung: Wenn er von seinem Fest auf dem Wasser erzählt (Akt I), erschafft er ein verbales Schauspiel. Er beschreibt die Musiker, die Speisen, die Dekoration. Cliton (der Zuschauer) ist geblendet: "Vous rêvez tout cela" (Sie träumen das alles).
* Die Inszenierung: Dorante manipuliert die Figuren wie Marionetten. Er weist ihnen Rollen in seiner Fiktion zu.

2. Die wahrheitsschaffende Lüge

Das ist das corneillianische Paradox.
* Die Wahrheit des Begehrens: Indem er lügt, offenbart Dorante, was er sein möchte (ein heroischer Krieger). Die Lüge ist der Ausdruck seines Ideals.
* Die Performativität: Indem er ständig sagt, dass er tapfer ist, wird Dorante es (er akzeptiert das Duell). Die Sprache verwandelt das Reale.
* Die Auflösung: Dank der Missverständnisse und Lügen bilden sich die wahren Paare. Wenn Dorante von Anfang an ehrlich gewesen wäre, hätte er vielleicht Clarice ohne Leidenschaft geheiratet. Der Umweg über die Lüge hat es ermöglicht, die Gefühle zu testen.

3. Die soziale Komödie

Die Lüge ist auch sozial.
* Die mondäne Maske: Alle lügen ein wenig in Paris. Clarice verbirgt ihre Gefühle für Alcippe. Die jungen Leute verkleiden sich. Dorante treibt nur die Logik des "Scheins" auf die Spitze, die dem 17. Jahrhundert eigen ist.

Schlüsselbegriffe des Schwerpunkts im Werk

  • Illusion: Das Vergnügen, getäuscht zu werden (das Publikum liebt es, Dorantes Lügen zu hören, weil sie schön sind).
  • Täuschung (Feinte): Verteidigungs- oder Angriffsstrategie.
  • Wahrscheinlichkeit (Vraisemblance): Die Lüge muss wahr erscheinen, um zu funktionieren. Das ist die Regel des klassischen Theaters.
  • Maske: Symbol der mobilen sozialen Identität.

Schlussfolgerung

In Le Menteur wird die Lüge nicht moralisch verurteilt (wie bei Augustinus). Sie wird ästhetisch gefeiert als Beweis für Geist und Vorstellungskraft. Das Stück sagt uns, dass das Leben Fiktion braucht, um erträglich und freudig zu sein.

Wichtige Zitate: Der Lügner

Über die Lüge als Kunst

"Il faut bonne mémoire après qu'on a menti."
(Cliton, Akt I, Szene 3)
Kommentar: Das ist die berühmteste Maxime des Stücks. Der Lügner muss kohärent sein. Es ist eine schwierige intellektuelle Arbeit. Wenn man seine früheren Lügen vergisst, verrät man sich.

"Le ciel fait cette grâce à fort peu de personnes,
D'avoir, comme vous faites, un don de débiter,
Et si promptement l'art de tout déconcerter."

(Cliton zu Dorante, Akt III, Szene 5)
Kommentar: Der Diener bewundert seinen Herrn. Die Lüge wird als "Gnade" gesehen, ein Talent der Improvisation, fast eine poetische Kunst.

Über Paris und die Gesellschaft

"Paris est un grand lieu plein de marchands mêlés ;
L'effet n'y répond pas toujours à l'apparence ;
On s'y laisse duper autant qu'en autre lieu."

(Géronte, Akt II, Szene 5)
Kommentar: Die Stadt ist der Ort der Anonymität und der sozialen Verwirrung. Es ist das ideale Spielfeld für den Hochstapler.

"On ne vous croit non plus quand vous dites la vérité."
(Cliton, am Ende)
Kommentar: Die tragische Moral des Lügners (wie in Äsops Fabel). Durch ständiges Lügen wird Dorantes Wort entwertet, selbst wenn er aufrichtig ist.

Über Dorantes Verwandlung

"Je ne suis plus de robe, et je me suis fait mettre
Dans la cour, par bonheur, au rang des gens de guerre."

(Dorante, Akt I, Szene 2)
Kommentar: Die grundlegende Lüge. Dorante verleugnet seine Stellung als Jurist (robe), um die des Militärs (Schwert) anzunehmen, die prestigeträchtiger für die Verführung ist. Es ist eine Ablehnung seiner wirklichen sozialen Identität.

"J'ai la main aussi bonne et le cœur aussi grand."
(Dorante)
Kommentar: Dorante beginnt schließlich, an seine Figur zu glauben. Indem er den Tapferen spielt, ist er bereit, sich im Duell zu schlagen. Die Maske klebt schließlich auf der Haut (barockes Thema).

Aufsatzthemen: Der Lügner

Thema 1: Die Macht des Wortes

Thema: "Ist in Le Menteur das Wort nur ein Mittel zum Täuschen?"

Reflexionsansätze:
1. Das täuschende Wort: Gewiss, Dorante lügt. Er verschleiert die Realität (seine Vergangenheit, seinen Status). Cliton wirft es ihm vor.
2. Das schöpferische Wort: Aber Dorantes Wort erschafft eine neue Realität. Es verwandelt einen langweiligen Studenten in einen abenteuerlichen Helden. Es verführt. Es ist ein poetisches Wort.
3. Das enthüllende Wort: Paradoxerweise enthüllt die Lüge die Wahrheit der Herzen. Dank der Lügen erkennt Clarice Alcippes Eifersucht, und Dorante entdeckt, wen er wirklich liebt.

Thema 2: Komödie und Moral

Thema: "Hat das Stück Le Menteur eine moralische Absicht?"

Reflexionsansätze:
1. Ein amoralisches Erscheinungsbild: Der Lügner wird nicht bestraft. Er triumphiert (er heiratet ein reiches und schönes Mädchen). Er scheint seine Lügen nicht zu bereuen, außer aus Notwendigkeit.
2. Eine soziale Moral: Das Stück kritisiert die Exzesse der Jugend und die mondäne Heuchelei. Es zeigt, dass Lügen einen Preis hat (die Angst, entdeckt zu werden, der Verlust an Glaubwürdigkeit).
3. Eine ästhetische Moral: Die wahre Lektion ist nicht "man soll nicht lügen", sondern "man soll gut lügen". Corneille schätzt Geist und Intelligenz mehr als puritanische Strenge.

Thema 3: Der komische Held

Thema: "Ist Dorante ein komischer Held?"

Reflexionsansätze:
1. Ein atypischer Held: Er hat die Qualitäten des tragischen Helden (Mut, Beredsamkeit, Adel), aber er nutzt sie für Nichtigkeiten (in den Tuilerien aufzureißen).
2. Die Charakterkomik: Er verkörpert den Typus des "Lügners" (wie der Geizhals oder der Menschenfeind später bei Molière), aber mit einem Schwung, der ihn sympathisch macht.
3. Die Beherrschung: Anders als die übliche komische Figur, die ein Opfer oder eine lächerliche Gestalt ist, beherrscht Dorante das Spiel. Er lacht mit uns.

Typische Gliederungen

  • Dialektische Gliederung: Die Lüge ist ein Laster (I) -> Aber sie ist eine Kunst (II) -> Die die theatralische Natur des sozialen Lebens offenbart (III).
  • Thematische Gliederung: Die Kunst des Wortes (I), Die Satire von Paris (II), Die Definition des ehrbaren Menschen (III).

Express-Quiz

Frage 1

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